Barlachs Frauenbilder  „Das Kunstwerk dieser Erde“ 

Barlachs Frauenbilder  Das Kunstwerk dieser Erde“ 

Museum Moderner Kunst Wörlen-Passau, 12. Juni – 15. Aug. 2010

Ernst Barlach Stiftung Güstrow, 29. Aug. 2010 – 16. Jan. 2011

Museum Behnhaus Drägerhaus. Lübeck,  13. Feb. 2011 – 29. Mai 2011

 

Mit der Ausstellung “…das Kunstwerk dieser Erde“ – Barlachs Frauenbilder bieten die Ernst Barlach Stiftung Güstrow und die Lübecker Museen, Museum Behnhaus Drägerhaus zum ersten Mal einen umfassenden Überblick zu den Frauendarstellungen Ernst Barlachs (1870-1938). Bis heute ist wenig bekannt, dass sich Barlach in seinem Werk auf vielfältige und intensive Weise mit dem Thema Frau beschäftigt, die er in einem bislang unbeachteten Facettenreichtum darstellt. Neben Frauen aus seinem persönlichen Umfeld zeigt er die Frau in ihren gesellschaftlichen Rollen und ihrem alltäglichen Leben: als Ehefrau, Schwangere und Mutter, als Bäuerin und Arbeiterin, als Femme fatale oder Dame der Gesellschaft. Barlach schreckt dabei nicht vor Tabuthemen, wie Alkoholismus oder ungewollter Schwangerschaft, zurück. Die Frau erscheint als Lebensmüde und Verzweifelte, aber auch als Träumerin, die sich übersinnlichen Sphären hingibt, oder als Gestalt seiner individuellen Mythologie, als Furie und Hexe. Barlach setzt sich bereits während seines Studiums der Bildhauerei in Hamburg und Dresden mit der weiblichen Anatomie auseinander. Angeregt durch Jugendstil und französische Plakatkunst, mit denen er in Paris in Berührung kommt, gestaltet er anschließend sinnlich-erotische Darstellungen von Frauen, die sich auch durch Werke von Auguste Rodin, Edgar Degas oder Aristide Maillol inspiriert zeigen. Im Jahre 1900 fertigt er mehrere, für sein Werk außergewöhnliche Aktdarstellungen. Während seiner Russlandreise im Jahre 1906 findet Barlach verstärkt zu einer vereinfachten Formgebung. Die Körper der Figuren, insbesondere der Frauenkörper, werden nicht mehr anatomisch durchgeformt, sondern sind blockhaft gefasst und verhüllt. Dieser Frauentypus, der durch die russischen Bettlerinnen beeinflusst ist, die für ihn in Russland zum Symbol eines allgemein menschlichen und persönlichen Leidens werden, prägt Barlachs Kunst der folgenden Jahre. Ab 1912 führt der Einfluss des Fauvismus und Kubismus zu einer noch stärker abstrahierten Formensprache, bei der Gewand und Körper mehr und mehr verschmelzen. In dieser Zeit entwirft Barlach einen spirituellen Frauentypus, dem er neben weiteren Frauenbildern auch in seinen Dramen Ausdruck verleiht, die er zum Teil mit Lithografien und Holzschnitten versieht. Illustrationen, in denen er sich mit dem Thema Frau auseinandersetzt, fertigt Barlach überdies auch zu fremden Texten, wie zu Gedichten von Goethe und zu „Walpurgisnacht“ aus „Faust I“. Mit den öffentlichen Auftragswerken für Güstrow, Lübeck und Hamburg gestaltet er in der Frauenfigur einmal mehr ein Symbol für übergeordnetes kosmisches Sein und übersinnliches Empfinden.  Erstmals wird im Zuge der Ausstellung auch der Zusammenhang zwischen Barlachs persönlichen Beziehungen zu Frauen und seinen Frauenbildern untersucht. Seine symbiotische Mutterbeziehung führt zur intensiven Beschäftigung mit weiblichen Thematiken und bestimmt sein Frauenbild wie auch seine persönlichen Frauenbeziehungen, die er künstlerisch verarbeitet. 
Der große Gesamtüberblick zum Thema des Weiblichen bei Barlach, der im Rahmen dieser Ausstellung bereits im Museum Moderner Kunst Wörlen Passau gezeigt werden konnte, wird in Güstrow und Lübeck entsprechend den örtlichen Gegebenheiten mit je 108 bzw. 152 Skulpturen, Plastiken, Zeichnungen, Lithografien und Holzschnitten gezeigt. In Lübeck, wo Barlach Anfang der 1930er Jahre einen Auftrag für Fassadenfiguren an der Lübecker Katharinenkirche annimmt, wird den Frauengestalten aus „Die Gemeinschaft der Heiligen besondere Beachtung geschenkt. Zeitgleich zeigt die Ernst Barlach Stiftung Güstrow im Lübecker Günter-Grass-Haus eine Ausstellung zu Ernst Barlachs Doppelbegabung als bildender Künstler und Schriftsteller.

Flyer Ernst Barlach

 

 

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