Helmut Newton

Helmut Newton. Werke aus dem Museum der Moderne Salzburg. Leihgabe der Sammlung MAP 

Kunsthaus, Apolda Avantgarde, 09. Jan. – 27. März 2011

 

Er wurde zur Ikone, indem er Ikonen schuf. Er fotografierte für ‚Vogue’ und die größten Modemagazine der Welt. Mit seinem Werk hat Helmut Newton jene Stilistik der Modefotografie – und die Aura des Supermodels – geprägt, die heute zu einem Teil unserer ikonographischen Wirklichkeit geworden ist. Die Unberührbarkeit seiner Modelle, die trotz – oder gerade wegen – ihrer Nacktheit unverletzlich und unnahbar erscheinen, und die ausgeprägte Ästhetik, die sich in jedem Detail niederschlägt, haben sich fest in die Bildsprache unserer Gegenwart eingeschrieben. Helmut Newton trug entscheidend dazu bei, dass die „Glamour-Fotografie“ zu einem zentralen Ausdruck einer ganzen Epoche wurde: „Er hat auf seine Art die erotische Fantasie unserer Zeit verändert oder auf jeden Fall stark beeinflusst“, so schrieb Karl Lagerfeld zu Beginn der Neunziger Jahre. „Er ist eine Art Zauberlehrling des Bildes der Frau unseres Jahrzehnts.“ Und – wie wir heute sehen – weit über die Jahrtausendwende hinaus.

Das Werk des 1920 in Berlin geborenen Newtons ist bis heute umstritten. Zweifellos provozieren seine Bilder, fordern heraus, geben sich anstößig und sind dabei durch und durch ästhetische Meisterwerke. Vielfach wurde ihm der Vorwurf des Sexismus und der Frauenfeindlichkeit gemacht, sowohl in Zeiten, als dargestellte Nacktheit noch als obszön galt, als auch heute, da inszenierte Nacktheit stets dem Verdacht der Ausbeutung unterliegt. Newtons Modelle sind durchaus nackt, sind Körper, weibliche Körper, die entblößt scheinbar Intimes preisgeben. Doch ihre eine enorme Dominanz macht ihre Nacktheit zu einem festen Panzer, der sie unangreifbar werden lässt. Die suggerierte Unschuld der makellosen Körper verwirrt, und die Posen der Modelle strahlen eine nicht minder makellose Reinheit der Selbstbehauptung aus.

Helmut Newton ist weit mehr als ein Akt- oder Modefotograf, der den weiblichen Körper dem voyeuristischen Blick preisgibt. In seinen Fotografien korrespondieren die Modelle mit ihrer Umgebung, und selten kommt es dabei zu einem harmonischen Miteinander. Der Kontrast zwischen Modell und dem räumlichen Kontext führt zu Widersprüchen und Brüchen in unserer gewohnten Wahrnehmung. Newton schafft eine Spannung, die einen nahezu kriminalistischen Charakter besitzt, und nicht ohne Grund bevorzugt er die „Gunfighter Pose“ in seiner Reihe „Big Nudes“, die überdies von RAF-Fahndungsfotos angeregt wurde. Die Verdoppelungen, die unerwarteten Entblößungen und die Rekontextualisierung von Nacktheit in einer vermeintlich vertrauten Umgebung, wie in den „Domestic Nudes“ konstruiert, verweisen stets auf etwas, was außerhalb des Sichtbaren zu liegen scheint.

Die Schlüssel zu Newtons Werk heißen Fetisch und Obsession. Die High Heels, die Villen mit den opulenten Interieurs, Pelze und Sättel, sie kehren stets wieder und sind zugleich erotische Insignien einer Epoche, die bereit ist, jede denkbare ästhetische und moralische Grenze zu überschreiten. Und natürlich dürfen sie auch als Signaturen des Künstlers gelten, der sich stets von starker Weiblichkeit inspiriert fühlte. „I manipulate the models. I turn them into something of myself“, so äußerte Newton einmal in June Newtons Film „Helmut by June“. Die Serialität seiner Fotoreihen offenbart zudem einen Künstler, der stets auf der Suche ist – und den Betrachter zum Mitsuchenden macht.  

Mit der Ausstellung „Helmut Newton – Werke aus einer Bremer Privatsammlungzeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde einen repräsentativen Querschnitt durch das künstlerische Werk Helmut Newtons und demonstriert damit den Facettenreichtum seines Schaffens.

Flyer Helmut Newton

 

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